Von wegen Patina: Mein Baujahr ist 1965



Einen fertigen Plan gibt es selten. Ich gehöre nicht zu denen, die zuerst eine perfekte Zeichnung machen und danach nur noch ausführen müssen. Meistens fange ich einfach an.
Da ist eine alte Schublade, ein Instrumententeil, eine Schallplatte, ein paar Zahnräder – Dinge, die ursprünglich herzlich wenig miteinander zu tun hatten. Etwas kommt dazu, etwas anderes wieder weg. Ich probiere aus, stelle um, säge, schleife, schraube – und irgendwann beginnen die Teile, miteinander auszukommen. Manchmal sogar erstaunlich gut.
Man könnte sagen, ich baue nicht unbedingt das, was ich mir vorher ausgedacht habe. Ich finde während des Bauens heraus, was es werden will.
Manches ist nach wenigen Tagen fertig. Anderes steht monatelang herum. Nicht vergessen. Es ziert sich vielleicht noch ein wenig.
So etwas denkt man sich wohl nicht aus. Es passiert einfach.
Gute Frage.
Und wann ist es fertig?
Nicht zu neu
Die Kunst des Weglassens
Irgenwann ist gut
Ich mag es, wenn man einem alten Teil ansehen darf, dass es schon ein Leben vor creatThings hatte. Eine Delle, ein Kratzer oder ein wenig Rost können durchaus bleiben. Neu machen ist schliesslich nicht dasselbe wie neu aussehen lassen. Es geht nichts über Patina (siehe oben).
Antoine de Saint-Exupéry soll einmal gesagt haben, etwas sei nicht dann vollkommen, wenn man nichts mehr hinzufügen könne, sondern wenn man nichts mehr weglassen könne. Nun ja. Vielleicht unterscheidet mich genau das von einem Künstler. Weglassen gehört offensichtlich nicht zu meinen grössten Stärken. Ich mag es, wenn Dinge zusammenkommen – manchmal auch ziemlich viele. Solange sie sich am Ende miteinander vertragen.
Wann ist irgendwann? Keine Ahnung. Irgendwann steht das Ding vor mir und ich weiss: So passt es. Nicht unbedingt perfekt und vielleicht auch ganz anders als ursprünglich gedacht. Aber es fühlt sich gut an. Und wenn es sich gut anfühlt, dann ist es fertig.




