Das Spiel mit dem Faden
War da nicht noch etwas mit dem roten Faden, oder spinnt der einfach?
Die Schweiz war einmal eine Hochburg der Textilindustrie. Seide aus Zürich und Basel, Baumwollstoffe, Leinen, Webereien und die berühmten Stickereien der Ostschweiz wurden weit über die Landesgrenzen hinaus gehandelt. Ganze Regionen lebten davon. Es wurde gesponnen, gewoben, gestickt – und mit all dem auch ein Stück Wohlstand geschaffen. Irgendwann verlor sich dieser Faden.
Und irgendwo stand noch ein alter Setzkasten. Auch er hatte seine grosse Zeit hinter sich. Seine vielen kleinen Fächer hatten einmal Bleibuchstaben in Reih und Glied gehalten. Dann blieben sie lange unbesetzt. Irgendjemand hatte wohl keine Lust mehr auf Bleibuchstaben.
Bis Garnrollen und Spulen die freien Plätze in Beschlag nahmen. Weberschiffchen kamen dazu, Fingerhüte, Teile alter Nähmaschinen und allerlei kleine Zeugen des textilen Handwerks. Eine ziemlich friedliche Hausbesetzung.
Mittendrin eine Familie. Sie spinnt den Faden weiter, führt ihn durch die Szenerie, über Spulen und einen alten Trichter bis hin zu Leinen und Stoffmustern. Es spielt keine Rolle mehr, ob sie dabei alles unter Kontrolle hat.
Aus vielen Dingen, die einzeln kaum noch eine Aufgabe hatten, ist etwas geworden, das an längst vergangene Zeiten erinnert. An Handwerk, an eine Industrie, die einst Wohlstand schuf – und an Dinge, die heute eigentlich keinen vernünftigen Zweck mehr erfüllen müssen. Ausser vielleicht den einen: an einer Wand zu hängen, gut auszusehen und garantiert nicht übersehen zu werden.






Apropos roter Faden: Probieren Sie doch mal eine andere Farbe.


