Kachel-Ofen-Regal

FERRUM ET LIGNUM

Er heizt nicht mehr, dafür leuchtet er umso mehr.

In einer vollgestopften Brockenstube traf ein alter, rostiger Kachelofen zufällig auf eine ziemlich gewagte Idee.

Die Vernunft protestierte: «Was willst du mit diesem schmutzigen Ungetüm? Und wie um Himmels willen willst du es transportieren?» Doch die Idee hatte längst einen Plan geschmiedet und liess nicht mehr locker.

Irgendwie landete das schwere Ding im Auto und anschliessend bei Guido in der Werkstatt. Dort musste sich der Ofen erst einmal ausziehen. Mit festsitzenden Schrauben, verklebtem Schamott und reichlich Rost wehrte er sich nach Kräften. Vergeblich. Zurück blieben zwei Berge: einer aus Schamott, einer aus rostigem Eisen. Die Ausbeute: vier kunstvoll geformte Beine und zwei Seitenteile. Die alten Ofentürchen warten noch auf ihre nächste Chance.

Die sechs Eisenteile gingen zum Sandstrahlen. Noch mehr Schweinerei musste wirklich nicht sein.

Bei Theo in der Metallwerkstatt entstand derweil ein neues Stahlblech mit dem ausgeschnittenen Schriftzug FERRUM ET LIGNUM – Eisen und Holz. Sein Waterjet schnitt mit Wasser und Sand präzise durch den Stahl. Ausgerechnet Wasser verhalf also dem ehemaligen Feuerofen zu seiner neuen Gestalt.

Anschliessend erhielten sämtliche Metallteile eine hochwertige schwarze Pulverbeschichtung. Etwas kostspieliger als gewöhnlicher Lack, dafür besonders robust und langlebig.

Drei wunderschön gemaserte, massive Regalböden aus dunklem Nussbaum vervollständigten das neue Möbelstück. Und weil ein ehemaliger Ofen nicht ganz ohne Feuer auskommen sollte, bekam er noch eine LED-Beleuchtung, die den Schriftzug in wechselnden Farben erstrahlen lässt.

Aus dem rostigen Kachelofen wurde ein elegantes Regal mit einer bewegten Vergangenheit.

Und die Vernunft? Die hat sich inzwischen mit der Idee versöhnt. Zumindest bis zum nächsten Besuch in einer Brockenstube.

...und wer genau hinschaut sieht das Drachenauge ...