Hinter der Rolltür
Verstaubt, unvollständig und etwas vergessen stand dieses alte Eichenmöbel in einer Brockenstube.
Es stand etwas verloren in einer Ecke.
Verstaubt, nicht ganz vollständig und mit einer Rolltür, die irgendwann beschlossen hatte, nicht mehr mitzumachen. Vielleicht gehörte das Eichenmöbel einmal zu einem Schreibtisch. Vielleicht auch nicht. Es hat es mir nicht verraten.
Also wurde gereinigt, aber nicht auf neu getrimmt. Kratzer und Gebrauchsspuren durften bleiben. Die Rolltür dagegen musste raus: zerlegt, neu verbunden und wieder eingesetzt. Das alte Schloss wurde revidiert, die fehlende Schublade nachgebaut.
Die acht Schubladen erhielten eine schwarze Beize. Gerade so viel, dass die Holzmaserung sichtbar bleibt und ein schöner Kontrast zur alten Eiche entsteht.
Und dann war da noch das Messing.
Etikettenhalter, Griffe und Beschläge wurden gereinigt und poliert. Von Hand. Ausdauernd. Sehr ausdauernd. Seither weiss ich wieder, weshalb Patina durchaus ihre Berechtigung hat.
Nun rollt die Tür wieder, das Schloss schliesst und acht Schubladen warten auf ihren Inhalt.
Fotos vielleicht. Briefe. Erinnerungen. Oder einfach Dinge, die zu wichtig zum Wegwerfen und zu klein für einen eigenen Schrank sind.
Manches muss nicht vollständig neu werden. Es muss nur wieder funktionieren dürfen.










