„Verzell doch das em Fährima!“ – ein Szenenbild aus Fundstücken und Fantasie

Eine alte Holzkiste als komprimierte Theaterbühne. Ein Seemann, der die Sehnsucht in den Augen trägt. Eine Ente, die mehr weiß, als sie zeigt.
Die Spitze einer Angelrute, bereit für den nächsten erleuchtenden Zufall.
Zwei Ölbilder von Basel, die dem ganzen einen Rahmen geben. Alles vom Flohmarkt – alles mit Geschichte.
Dazu ein selbstgebauter Holzsteg, der in den Rhein führt, jenen Strom, der die alten Geschichten mit sich nimmt. Ein paar Accessoires, scheinbar beiläufig, doch mit Bedacht gewählt.
So entsteht ein Bild – nicht geplant, sondern gefühlt. Ein Gruß an die Spontaneität. Ein Augenzwinkern an den Podcast, der das Erzählen feiert: „Verzell doch das em Fährima!“
Ein Koffer für den König auf vier Pfoten

Ein alter Koffer, vom Reisen müde, vom Leben gezeichnet. Mit Schaumstoff weich gepolstert – für königlichen Komfort. Ausgeschlagen mit wasserfestem Tuch, für alle Fälle, falls der Hund mal… na ja, du weißt schon. Er thront auf Beinchen aus alten Fadenspulen, die einst Garn trugen und nun Gemütlichkeit tragen.
Wenn Upcycling auf Hundeliebe trifft – das Ergebnis: wohliges Schwanzwedeln.
Räder und Schubladen finden einen Rahmen
Ein in die Jahre gekommene und lange schon nicht mehr geliebte Ziehkarre

Ein altes Eichenbuffet – mit Schubladen – das in keine Wohnung mehr passt

Ein Rahmen aus Metall, ausgekleidet mit Holz, weiss lasiert, ein wenig shabby

Oben offen für Töpfe und Leben, darunter zwei Schubladen mit alten Muschelgriffen und Platz für das, was dazugehört.

Gebaut aus dem, was übrig blieb. Und dem Wunsch, noch einmal etwas zu werden. Ein mobiles Pflanzenwägelchen das zeigt, was es braucht, um wieder etwas zu sein.
Von der Brockenstube an die Wand
In einer Brockenstube stand dieses Eichenbuffet – gross, schwer, ein wenig traurig. Es schien wie aus seinem ursprünglichen Habitat entrissen. Reich verziert mit verzierten Kapitellen, geschnitzten Ornamenten und gedrechselten Säulen. Reine Handwerkskunst mit Respekt vor der alten Eiche die als Rohstoff diente. …und doch ungeliebt, stehen gelassen.

Vor der Entsorgung gerettet, sorgfältig in seine Einzelteile zerlegt, sortiert und zur Weiterverarbeitung gelagert. Dann gelangte der Wunsch nach einem speziellen Spiegel an mich. Mir fiel die Buffettür ein und das alte Spiegelglas mit Patina und kleinen Sprüngen.

Sie wollten von mir verheiratet werden. Die Holzrahmung bekam ein neues Kleid: leicht geweisst, im Shabby-Chic-Stil. Und weil’s unten etwas nackt wirkte, kam noch ein kleines Tablar dazu – ganz praktisch.

Aus einer Türe entstand ein Spiegel: ein Einzelstück mit doppelter Geschichte.

Heute hängt der Spiegel im Entrée seiner neuen Besitzerin. Zwei kleine Engel, von ihr liebevoll platziert, wachen über die sich spiegelnden. Und irgendwo im Hintergrund, fast unsichtbar, lebt ein Teil des alte Buffets weiter – einfach in einer anderen Form. (Und ja, das Schildchen unten auf dem Foto habe ich ihr zuliebe drauf gelassen).
… und noch etwas Licht vom Buffet
Doch das war nicht das Ende der Buffet-Geschichte. Auch die Säulen des Buffets wollten nicht einfach in der Werkstatt verschwinden. Zu stolz standen sie da – aufrecht, gedrechselt, mit feiner Riffelung und solidem Fuss. Sie riefen geradezu nach einer neuen Bestimmung.

Zwei davon wurden zu Lampenfüssen. Keine moderne LED-Pfunzeln, sondern richtige Sockel mit Charakter. Die Form blieb, der Zweck wandelte sich. Obendrauf: grosse, warme Leuchtkugeln mit sichtbarem Glühdraht – wie kleine Sonnen auf Podesten.

Das Holz wurde in einem warmen, metallisch schimmernden Bronze-Ton gefasst. So treffen hier alt und neu aufeinander – ohne sich zu stören. Die Lampen stehen heute zu zweit, flankierend, wie ein stilles Wachpaar an der Seite einer alten Tischuhr. Auch diese unter Glas, auch sie ein Stück aus einer anderen Zeit.

So hat das alte Buffet nun gleich mehrfach überlebt – als Spiegel, als Lichtquelle, als Erzählung in Einzelteilen. Und wer genau hinschaut, erkennt: das Beste daran war nicht der Neuanfang. Sondern das Weiterleben.
Ein Schmuckkästchen für die Götter-Gattin
Ein wenig altes Holz, auf Wunsch geweisselt. Zu einem Kästchen zusammengeschustert – mit Charme und Geschichte.
Im Zentrum: eine alte Bircher-Raffel. Sie durchdringt das Kästchen von oben nach unten. Oben zum Halten, unten zwei Ringe, um noch etwas anzuhängen. Wo früher Äpfel oder Kartoffeln geraspelt wurden, hängen heute die Ohrringe.

Ketten und Armbänder warten auf ihren nächsten Einsatz – an alten Schubladengriffen, die nun eine neue Rolle übernehmen. Zwei Löcher im Boden schaffen Raum für längere Ketten.

Der Kleinkram findet Platz in zwei kleinen Holzkistchen. Zum Herausziehen dienen halbe Fadenspulen – nicht nur praktisch, sondern auch schön. Dazwischen die alte Form eines Confiseurs: einst zum Giessen von Schokoladeneiern, heute als Ringfach im Einsatz.

Einige Fragmente von vergoldetem Plattmetall zieren den Rahmen – eine Imagination von vergangenem Glanz und Eleganz.
Einfach, schlicht – und doch mit genügend Charme, um sogar eine Götter-Gattin milde zu stimmen.

Es muss nicht immer Sinn machen,
oft reicht es wenn es Spass macht